Austerity-Brogues - falsche Brogues mit richtig gemachter Liniendekoration
Austerity-Brogues sind angedeutete Full-Brogues, die mit ihrer Dekoration allerdings viel subtiler sind. Statt auf Lochmuster zu setzen, benutzen Austerity-Brogues Flügel- und Hinterkappen mit doppelten Nähten, so dass die Linien besser zur Geltung kommen.
Beispielvariante
Austerity-Brogue Blücher aus braunem, geprägtem Glattleder
Diese Variante basiert auf dem sogenannten Blücher-Grundmodell, welches relativ selten anzutreffen ist und von außen betrachtet dem Derby sehr ähnlich ist. Das geprägte Glattleder in Braun deutet schon an, dass dies ein Schuh für die Freizeit ist, ebenfalls tut das die dicke Sohle. Die gut sichtbaren, kurvenförmigen Nähte eine zusätzliche Abwechslung ins auch sonst spannende Oberleder hinein. Denn bei genauem Hinsehen kannst du erkennen, dass die Prägung des Leders relativ unregelmäßig verläuft und die punktförmigen Muster sich in Größe und Konturlinien stark voneinander unterscheiden - wie ein kleines, handgemachtes Kunstwerk.
Besonderheiten
Der Name erklärt sich daher, dass ein Austerity-Brogue eben einen Brogue, einen Full-Brogue, nachahmt nur mit dem Unterschied, dass der Austerity-Brogue ganz auf Lochmuster verzichtet. Er ist also weniger dekorativ als ein Full-Brogue. Die Dekoration ist hier subtiler: Die verschiedenen Schuhteile, aus denen der Schuhschaft, der obere sichtbare Bereich, besteht, haben ihre Enden, an denen sie zusammengenäht sind. Diese Nähte bilden natürlich Linien, denen das Auge folgen kann und die auch eine Art Dekoration sind. Zum Beispiel kannst du durch sogenannte Kontrastnähte die Linien deutlich sichtbar machen oder du machst die Linien sehr unauffällig, indem du eine Naht in derselben Farbe wählst wie das Oberleder. In dieser Situation sind für den Austerity-Brogue folgende zwei Faktoren wichtig:
- die Nähte sind gut sichtbar (nicht notwendigerweise Kontrastnähte)
- die Nähte sind verstärkt durch Verdoppelung der Naht (eine weitere Naht, die parallel verläuft)
In meinen Augen macht diese Betonung auf Linienführung auch den Charme eines Austerity-Brogues aus. Die Linien sind also eine weitere Dekorationsart, die subtiler ist als bei den normalen Brogues, die alle mit Lochmustern arbeiten. Zwar gibt es auch dort doppelte Nähte von der Lyralochung, diese kommen aber wegen der auffälligeren Löchern viel weniger zur Geltung. Insofern sind Austerity-Brogues ein gutes Beispiel für den Spruch, dass manchmal weniger mehr ist.
Austerity-Brogues solltest du übrigens eher zur Freizeit als zu formalen Anlässen tragen. Auch wenn die Dekoration geringer ist, ist es doch eine Dekoration, die nicht so gut zu formalen Schuhen passt. In Europa geht es übrigens im Büro viel lockerer zu als noch vor vielen Jahrzehnten und da kannst du Austerity-Brogues deshalb auch tragen.
Details, die einen Austerity-Brogue ausmachen
1. Flügelkappe
Die Flügelkappe ist ganz ohne Lochmuster und mit doppelter, gut erkennbarer Naht.
2. Fersenkappe / Hinterkappe
Die Fersenkappe ist ganz ohne Lochmuster und mit doppelter, gut sichtbarer Naht.
3. Sonstige Ränder von Schaftteilen
Die Seiten sind ganz ohne Lochmuster, egal aus welchen Schaftteilen genau der Schuh zusammengesetzt ist. In diesem Fall ist dies ein Blücher-Grundmodell. Bei einem Derby wäre dann der entsprechende Derby-Bogen an der Seite unverziert. Die Schaftteile sind mit doppelter Naht befestigt, die gut erkennbar ist.
Austerity Brogues mit unauffälligen Nähten
Wenn du zum Beispiel schwarze Austerity Brogues mit schwarzen Nähten hast, dann kommt die oben beschriebene Linienführung gar nicht so richtig zur Geltung. Im Gegenteil, die Nähte gehen besonders bei geprägtem Leder visuell unter und können nicht so stark wahrgenommen werden.
In meinen Augen macht es in einem solchen Fall fast keinen Unterschied, ob du einen Austerity-Brogue hast oder lediglich ein Basismodell ohne weitere Dekoration.

