Beispielvariante

Das hier ist kein ganz typischer Brogue, zeigt jedoch wie ein Oxford-Schuh mit Lochmustern verziert werden kann. Während die meisten Brogue-Schuhe vorne und hinten Kappen haben, ist dieses Paar aus einem Stück Oberleder gefertigt und die Lochmuster sind auf eben diesem Leder gestanzt. Dieses Paar hier kannst du gut zu lockeren, hellen Anzügen tragen.

Mein subjektiver Eindruck:
Formal: 1 / 5
Alltag: 4 / 5
Kunstvoll: 5 / 5

Besonderheiten

Brogues sind streng genommen keine eigene Modellvariante, sondern lediglich mit Lochmustern verzierte Schuhe, die auf ganz unterschiedlichen Modellen basieren können. Somit ist der Begriff Brogue eine Kategorie von Schuhen und die weiteren Begriffe, die da noch kommen sind Unterkategorien wie zum Beispiel ein sogenannter Full-Brogue. Ein Full-Brogue meint also keinen bestimmten Schuh und auch kein bestimmtes Schuhmodell. Mit einem Full-Brogue kann ein Full-Brogue Derby, aber auch ein Full-Brogue Oxfords gemeint sein. Der Begriff impliziert einfach gewisse Lochmuster, die der Schuh dann auf jeden Fall hat und die ich weiter unten genauer erläutere. Da gibt es die folgenden zwei Grundtypen, die zur Verzierung von Brogues typischerweise verwendet werden:

1. Broguing-Zutat: Lochmusterstreifen, auch Lyralochung genannt

Es geht hier um das folgende typische Lochmuster: Ein großes und zwei sehr kleine ausgestanzte Löcher wechseln sich ab und werden noch seitlich entlang der Länge des Streifens von Ledernähten umrahmt. In diesem Stil können die Ränder von verschiedenen Schaftteilen wie der Vorderkappe und der Fersenkappe verziert werden.

In einer einfacheren Variante dieser Lyralochung wird auf große und kleine Löcher verzichtet und die Löcher werden uniform mittelgroß gehalten - diese Variante kannst du auf dem rechten Bild oben sehen. Dort bei der Schnürung ist typischerweise die Stelle, wo sie manchmal eingesetzt wird. Beide Varianten der Lyralochung können zwar bei einem Brogue zur Anwendung kommen, aber die komplexere von beiden aus dem linken Bild oben ist in der Praxis die viel dominantere.

2. Broguing-Zutat: Das Medaillon

Das ist ein dekoratives Muster bestehend aus mittelgroßen Löchern auf der Vorderseite des Schuhs. Es gibt verschiedene solcher Medaillons, die sich anbringen lassen und du kannst jederzeit sogar neue Muster erfinden und anbringen lassen.

Geschichtliches

Der Entstehungsgeschichte nach haben im 18. Jahrhundert Schotten und Iren auf ihrem nassen Land Löcher in ihre Schuhe gemacht. - Und zwar echte Löcher, nicht solche halben, angedeuteten Löcher wie auf den modernen Brogues. Jedenfalls konnten der Legende nach die Schotten und Iren auf diese Weise das Wasser in ihren Lederschuhen leichter abfließen lassen. Ich persönlich kann dieser Entstehungsgeschichte nicht so gut folgen. Ich sehe aber ein, dass ein nasser Schuh mit Löchern etwas besser trocknen kann.

Andererseits werden die Füße im Freien doch viel schneller nass, wenn echte Löcher im Schuh angebracht sind: Das Wasser kommt im Einsatzgebiet noch schneller rein als es später zu Hause rauskommt. Aber vielleicht ist das etwas, was man dann bewusst in Kauf genommen hatte, weil die Schuhe in der Umgebung sowieso nass wurden, egal ob mit oder ohne Löcher.

Jedenfalls sind heutzutage die Löcher nur angedeutet und gehen nicht durch das ganze Leder des Schaftes hindurch. Dazu gibt es kleinere und größere Löcher, die sich gegenseitig abwechseln in einem regelmässigen Muster.

Als berühmter Brogue-Träger kann der Herzog von Windsor genannt werden. Er trug verschiedene Brogue-Schuhe - einige zum Golf-Spielen und andere zu feineren Anlässen. Durch seine gesellschaftliche Stellung kam er mit seinen Schuhen in diverse Video- und Fotoaufnahmen hinein. Zusätzlich war er Gegenstand der Klatschpresse. Dadurch hat er Brogue-Schuhen - wahrscheinlich eher ungewollt - eine gewisse Bekanntheit verschafft.

Varianten

Die verschiedenen Brogue-Varianten unterscheiden sich im Kern darin, wie aufwändig sie mit obigen und anderen Lochmustern verziert sind. Denn du kannst zum einen eine Maximalvariante wählen und die Schuhe fast so weit wie möglich mit Lochmustern verzieren. Oder du kannst die Lochverzierungen auf bestimmte Schaftteile anwenden und bei anderen auslassen. Du kannst zum Beispiel die Vorderkappe an der Kante mit Lyralochung verzieren und den Rest lassen und landest damit bei einem sogenannten Quarter-Brogue, auf den ich weiter unten eingehe. Wählst du aber anstelle einer Vorderkappe eine sogenannte Flügelkappe, dann hast du für die Lyralochung etwas mehr Fläche und du kannst den Schuh dadurch etwas verzierter machen.

Quarter-Brogues

Das ist ein Schuh mit verzierter Vorderkappe. Die Vorderkappe bekommt an ihrem Rand Lochmuster verpasst und ist damit lockerer und verzierender als eine reine Vorderkappe. Oft sind auch weitere Muster dieser Lyralochung an anderen Schaftteilen angebracht wie zum Beispiel an der Seite. Doch ein Medaillon vorne fehlt komplett.

Solche Quarter-Brogue-Schuhe können in der Farbe Schwarz relativ formale Schuhe sein, die aber durch Lochmuster-Details den Schuh etwas auflockern und interessanter machen. Quarter-Brogues sind also Schuhe mit subtiler Verzierung, wobei die Lochmuster hier einfach deshalb besser zur Geltung kommen, weil es nicht so viele davon gibt.

Semi-Brogues oder Half-Brogues

Den Semi-Brogue kannst du als maximal verzierten Quarter-Brogue mit Medaillon definieren: Er hat die Lyralochung an seiner Vorderkappe, hinten an der Fersenkappe und auch an den Seiten. Und zusätzlich hat er ein Medaillon vorne auf seinem Blatt. Ein solcher Schuh ist also relativ ausgiebig verziert und damit ein Held für die Freizeit.

Full-Brogues

Der Full-Brogue ist ein Schuh mit Flügelkappe, welcher folgende Verzierungen hat:

  • Lyralochung an Flügelkappe, Fersenkappe und an der Seite
  • Medaillon vorne auf dem Blatt des Schuhs

Du kannst damit auch sagen, dass der Full-Brogue im Kern ein Semi-Brogue ist, nur mit verzierter Flügelkappe statt verzierter Vorderkappe. Dadurch, dass die Flügelkappe weiter verläuft als die Vorderkappe, wird der Lochmuster-Streifen der Lyralochung länger und die Verzierung dadurch umfangreicher. Somit ist der Full-Brogue definitiv ein Freizeitschuh, sogar etwas mehr als der Semi-Brogue.

Full-Brogue Longwing

Der Full-Brogue Longwing ist ein Schuh mit um den ganzen Schuh herum verlängerter Flügelkappe. Zusätzlich hat er darauf aufbauend im Kern die gleichen Verzierungen wie wir sie vom Full-Brogue her kennnen:

  • Lyralochung an der verlängerten Flügelkappe, an der Seite und an der Fersenkappe, falls vorhanden
  • Medaillon vorne auf dem Blatt des Schuhs

Dadurch, dass hier die Flügelkappe viel umfangreicher ist als bei einem Full-Brogue, ist auch die zugehörige Lyralochung umfangreicher. Damit wird der Schuh nochmal dekorativer und lässiger.

Im Grunde ist dieser Schuh eine Kreuzung aus einem Full-Brogue und einem Longwing - bildlich gesprochen. Ein Longwing ist einfach ein Schuh mit einer verlängerten Flügelkappe und braucht damit von der Definition her keine Lochmuster zu haben. Entsprechend ist ein Full-Brogue Longwing ein Full-Brogue mit einer verlängerten Flügelkappe an Stelle einer normalen Flügelkappe. Diese ist ebenfalls mit Lochmustern verziert, dies allerdings wegen der zusätzlichen Länge unfassender als die normale Flügelkappe.

Ich denke nicht, dass ein Full-Brogue-Longwing bedeutend mehr Lochmuster hat als ein Full-Brogue. Aber dadurch, dass es bei ihm entlang der verlängerten Flügelkappe einen sehr langen, zusammenhängenden Streifen von Lochmustern gibt, wirkt er besonders auffällig.

Austerity-Brogues als Pseudo-Brogues

Der Austerity Brogue ist ein Full-Brogue-Modell mit Vorder- und Hinterkappe, doch ganz ohne Lyralochung und ohne Medaillon. Das heißt, die bekannten Linien eines Full-Brogues durch Flügelkappe, Hinterkappe und an den Seiten sind da, doch das Medaillon und die Lochmusterstreifen fehlen vollständig.

Damit ist dieses Modell eigentlich kein richtiger Brogue. Das Fehlen jeglicher Lyralochung macht den Austerity-Brogue zudem zu einem etwas formaleren Schuh und betont die Linienführung durch Form und Nähte. Besonders durch Kontrastnähte kann das sehr beeindruckend wirken.

Brogue-Stiefel und Brogue-Stiefeletten

Die Dekoration über Broguing ist nicht lediglich auf Halbschuhe beschränkt, sondern du kannst dir solche Lochmuster auch bei Stiefeln und Stiefeletten machen lassen. Entsprechend gibt es dann auch zum Beispiel Full-Brogue Derbystiefel oder Quarter-Brogue Chukka-Boots. Die Effekte dieser Lochverzierungen bleiben die gleichen wie bei den Halbschuhen: Je mehr Lochmuster du hinzufügst, desto lockerer wird der Stiefel oder die Stiefelette. Stiefel haben wegen ihres hohen Schaftes dabei das meiste Potential für ausgiebiges Broguing.

Sonstige Varianten zur eventuellen Umsetzung

Wenn du dir die verschiedenen Brogue-Varianten anschaust, dann kann in meinen Augen schnell deutlich werden, wie diese Varianten grundsätzlich zustande kommen. Mit diesem Wissen kannst dir dann auch deinen eigenen Brogue-Favoriten kreieren, den du sogar bei einem Schuhmacher umsetzen lassen kannst. Dafür musst du übrigens nicht zum Maßschuhmacher gehen: Es gibt einige Schuhmacher oder kleinere Unternehmen, die deinen Lieblingsschuh auf Bestellung auf einem Serienleisten anfertigen können.

Persönliche Einschätzung

Ich mag die Idee der Lochmuster als zusätzliche Dekoration. Ich trage auch gerne Full-Brogues, doch merke ich gleichzeitig, dass die Lochmuster besonders viel Aufmerksamkeit auf sich ziehen können. Das wird mir vor allem dann bewusst, wenn ich ähnliche Modelle ohne Lochmuster sehe: Das kann ein Austerity-Brogue oder ein Longwing ohne Lochmuster sein. Ich finde besonders bei Letzterem werden die Linien der großzügigen Flügelkappe sehr betont, was andernfalls mit der Lochmustervariante gar nicht groß auffallen würde.

Das alles geht eigentlich nur, wenn die Schuhe nicht in Schwarz sind und keine schwarzen Nähte haben. Bei schwarzen Schuhen mit schwarzen Nähten sind die ganzen Dekorationen relativ unauffällig, ebenso das Broguing.

Letztlich sehe ich dadurch Stärken und Schwächen von ausgefalleneren Brogue-Modellen wie Full-Brogue oder Full-Brogue Longwing. Insgesamt tendiere ich aktuell eher zu den beiden bescheideneren Brogue-Modellen Quarter-Brogue und Semi-Brogue. Und von diesen beiden liegt bei mir persönlich der Quarter-Brogue minimal vorne, weil die Sparsamkeit der Dekoration den Effekt derselben in meinen Augen verstärkt: Der Schuh wird dadurch zwar nicht dekorativer, aber die wenige Dekoration wirkt einfach stärker.