Derbies - vielseitige, eher lockere Herrenschuhe
Suchst du nach Schuhen, die du möglichst überall tragen kannst? Oder bereitet dir oft die Passform Probleme, so dass du dir mehr Freiraum im Schuh wünschst? In beiden Fällen können Derby-Schuhe genau die richtigen für dich sein.
Beispielvariante
Schwarze Derbies mit dünner Sohle
An sich sind diese Derbies wie gemacht für sehr formale Anlässe:
- sie sind puristisch, ohne Kappen
- sie haben dünne Sohlen
- sie sind in schwarzem Glattleder
- sie haben eine nicht zu breite, schön abfallende Schuhspitze
Lediglich die dicken Schnürsenkel stören hier und der Umstand, dass ein entsprechendes Paar Oxfords nochmal formaler und damit für solche Anlässe besser ist. Bei diesen Derbies hier kann ich zwar die Schnürsenkel leicht ersetzen, das Modell allerdings nicht.
Verglichen zum Oxford fällt der Derby durch zwei lockere Elemente auf, die ihn auch kennzeichnen. Dazu im nächsten Abschnitt mehr.
Besonderheiten
Derby-Schuhe kannst du an zwei Merkmalen erkennen:
- an der sogenannten offenen Schnürung
- an dem sogenannten Derby-Bogen auf jeder Seite des Schuhs, welcher in der Bahn eines Bogens verläuft - meist wird er durch die Schaftkante und ein paar Nähte visuell verdeutlicht
Vorteil der offenen Schnürung
Durch die offene Schnürung ist der Derby ideal zum Festbinden. Während bei einem Oxford-Schuh die geschlossene Schnürung recht eng sein kann und bei einem Mönchsriemenschuh die Schnallen zu lose, ist bei der offenen Schnürung des Derbies maximaler Freiraum da.
Besonders wenn dein Fuß einen zu hohen Rist hat, sind Derbies sehr flexibel in dem Bereich und die beiden Schnürteile geben besonders gut nach. Während ein hoher Rist mit Oxfords sehr oft ein Albtraum ist, kannst du sogar allgemein mit Schuhen, die eine offene Schnürung haben, diesbezüglich nichts falsch machen.
Ein bisschen anders ist das, wenn du mehr Spannung an deinem Schuh brauchst. Solange dein Schuh mehr als nur ein Paar Ösen auf jeder Seite hat, wirst du die Schuhe wahrscheinlich fest genug zuschnüren können. - Je mehr Ösen dein Schuh dabei hat, desto besser.
Etwas anders sieht das bei Zwei-Ösen-Derbies und Chukka-Boots aus, wobei letztere typischerweise zwei bis drei Ösen pro Seite haben. Hier besteht eine größere Gefahr, dass die Schnürung das nicht wieder wett machen kann, wenn die Schuhe zu lose sitzen. Daher wird die Passform bei solchen Modellen wichtiger, da sich mit der Schnürung nicht ganz so viel erreichen lässt wie bei Schuhen mit fünf oder sechs Ösen.
Anderer Vorzug von Derbies: Größere Flexibilität im Stil
Neben der größeren Flexibilität der Schnürung, welche eine recht große Bandbreite an Füßen abdeckt, gibt es noch stilistische Vorteile:
Und zwar sind Derby-Schuhe in der Bandbreite zwischen formalem und lockerem Aussehen in der Mitte positioniert. So ist ein schwarzer Derby-Schuh ohne weitere Dekoration recht formal, auch wenn er so für viele trotzdem nicht zum Anzug reichen würde. Dagegen ist ein brauner Derby-Schuh mit Vorderkappe, Fersenkappe und Lochmustern ein ganz guter Freizeit-Schuh. Ausgehend von einem Derby als Basismodell kommst du in fast alle Stilbereiche gut hinein, wenn du die weiteren Facetten deines Schuhs entsprechend anpasst wie Farbe, Leder und Dekoration.
Verwechslung mit Blücher-Schuhen und anderen Modellen
Der Blücher ist ein anderes Schuhmodell, das ebenfalls wie der Derby-Schuh eine offenen Schnürung hat. Allerdings sind die Schaftteile, aus denen ein Blücher zusammengesetzt sind, unterschiedlich. Und es gibt auch andere Schuhmodelle mit offener Schnürung, die anders zusammengenäht sind als ein Derby. Hier sind ein Paar Beispiele von Schuhen, bei denen seitlich der Derby-Bogen fehlt, was eine unterschiedliche Zusammensetzung der Schuhe verglichen zum Derby impliziert.
Der Derby-Schuh hat ja von der Seite betrachtet den sogenannten Derby-Bogen und entlang dieser Linie werden die unterschiedlichen Schaftteile miteinander vernäht. Dagegen besteht ein Blücher oft zu einem guten Teil nur aus einem einzigen Schaftteil, wenn man von den kleinen Teilen mit der Schnürung absieht. Insofern sind Derby-Schuhe tendenziell günstiger herzustellen als Blücher-Schuhe oder manche andere Modelle: Denn ein einzelnes großes Stück ist schwieriger aus der Lederhaut herauszuschneiden als mehrere kleine Stücke von der gleichen Gesamtfläche, da man
- schlechte Stellen mitten auf der Lederhaut umgehen muss
- eher dafür sorgen muss, dass die Lederhaut von der Gesamthöhe und Gesamtbreite her auch reicht
Geschichtliches
Die Herkunft ist nicht eindeutig. In einer Überlieferung heißt es, dass ein begabter Schuhmacher die Schuhe für seinen Auftraggeber, einen Grafen, hergestellt hatte. Dieser Graf hatte demnach Schwierigkeiten in die damals gängigen Schuhe hineinzuschlüpfen, die die sogenannte geschlossene Schnürung hatten. Der Schuhmacher kam dann auf die Idee, die Schnürung etwas anders zu gestalten und die seitlichen Teil mit den Ösen anders zu nähen. Das ermöglicht auch heute noch mehr Flexibilität und eine größere Abdeckung von Fußformen - besonders bei Füßen mit einem hohen Spann.
Varianten
Schwarze Derbies aus Glattleder mit breiterer Schuhspitze
Das hier sind schwarze, puristische Derbies mit einem interessanten Detail: Die Schuhspitze ist um einiges breiter als bei den üblichen formalen Schuhen. Insofern passt der Schuh nicht so ganz in die Kategorie der formalen Anzugschuhe. Dafür ist ein schwarzer Oxfords mit engerer Schuhspitze viel geeigneter. Aber für semi-formale Anlässe kann ich mir diese Derbies hier viel eher vorstellen, auch wenn die breitere Schuhspitze nicht jeden ansprechen wird. Mich spricht sie aber an und ich habe die Schuhe auch gerne im Büro getragen.
Dunkelrotes 5-Ösen Derbies mit Vorder- und Hinterkappe
Hier haben wir einen besonders vielseitigen Derby, im Grunde genommen eine Dreifaltigkeit der Vielseitigkeit, da alle Aspekte besonders gut kombinierbar sind:
- das Derby-Modell an sich
- Vorderkappe und Fersenkappe zu weiteren Auflockerung
- dunkles Rot als sehr kombinierfreudige Farbe - passt zu Braun, Schwarz, Blau
So kannst du diese Schuhe sowohl gut im Alltag tragen, als auch im Büro. Übrigens sind diese Schuhe in sogenannter holzgenagelten Machart hergestellt. Das kannst du an den Holznagel-Spuren auf der Sohle erkennen und ebenfalls ein bisschen an der fehlenden Naht im Rahmen. In meinen Augen sind das ein Paar einfacher, aber sehr gut gemachter Schuhe.
Schwarze puristische Derbies mit Gummisohle
Eigentlich ist dieses Paar Derbies recht ambivalent: Von oben her betrachtet ist das ein recht formaler Derby in schwarzem, unverziertem Glattleder. Von unten betrachtet, wenn du dir die Sohle anschaust, erkennst du eine mittelgrobe Gummisohle, die so gar nicht in den formalen Bereich reinpasst. Von daher nutze ich das Paar hier für ambivalente Einsatzgebiete: Ausgehen, aber mehr in der Natur? - Mit diesen Derbies hier perfekt. Ins Büro gehen, aber durch schlechtes, regnerisches Wetter hindurch? - Mit diesen Derbies hier recht praktisch.
In meinen Augen ist die Gummisohle noch einigermaßen dezent. Eine tiefe Profilsohle wäre doch nochmal gewagter und würde den Schuh in meinen Augen sozusagen zerstören. So finde ich es aber noch tolerierbar.
Das sind also schwarze Derbies, die mir persönlich durch ihre Ambivalenz Spaß machen, die ich aber für richtig formale Anlässe nicht empfehlen kann und die auch für die reine Freizeit zu formal sind. Darüber hinaus mag ich die Form der Schuhe.
Spitzderbies-ähnliche Derbies aus exotischem Leder und mit Profilsohle
Diese Derbies aus exotischem, robustem Leder könnten fast Spitzderbies sein, wenn sie nur zwei statt drei Ösen hätten. Anhand der Sohle kannst du sehen, dass die Kern-Laufsohle holzgenagelt ist und darüber eine Profilsohle aus Gummi geklebt ist. Dadurch sind diese Schuhe besonders praktisch für die Natur.
Das Oberleder ist hier sehr puristisch und lässt stattdessen die Struktur des exotischen Leders in den Vordergrund treten. Für mich ist das ein sehr gelungener Freizeitschuh, das du bei gutem Wetter auch ganz gut auf dem Land oder im Wald tragen kannst - also wie gemacht für sonnige Ausflüge in die Natur.
Spitzderbies
Zum Schluss seien hier noch Spitzderbies genannt, die sich dadurch auszeichnen, dass die Quartiere, also die seitlichen Schaftteile, vorne spitz zulaufen. Dies hat auch direkt mit der geringen Anzahl an Ösen zu tun, denn solche Schuhe sind insbesondere Zwei-Ösen-Derbies.
Statt dass die Quartiere unterhalb der zwei Ösen direkt senkrecht oder rückwärts abfallen, gehen sie hier etwas weiter in Richtung Schuhspitze und fallen erst dann im Derby-Bogen nach hinten ab. Bei diesem Wechsel zum Derby-Bogen bildet sich der namensgebende spitze Winkel.
Persönliche Einschätzung
Der Begriff „Allrounder“ für einen Derby-Schuh klingt zwar nicht besonders spannend, gibt aber mehr Flexibilität und Sicherheit. Wenn die Wahl auf einen Derby gefallen ist, hast du immer noch genug Spielraum bei Leder und Verzierungen, um am Ende einen interessanten und spannenden Schuh in der Hand zu halten. Schau dir zum Beispiel das Thema Broguing an, wo es ganz viele weitere Möglichkeiten gibt, allen voran für Derbies.
Typischerweise wird der Derby mehr in der Freizeit getragen als zum Anzug, für Anzüge nimmst du am besten Oxford-Schuhe. Du kannst Derbies aber ganz gut zu nicht einheitlicher Kombination aus Sakko und Hose tragen.
Ich persönlich halte einen braunen Derby für einen sehr guten Anfangsschuh für alle, die sich für klassische Herrenmode interessieren. Ich selber hatte mit so einem Schuh meine Reise in die bessere Schuhwelt begonnen und diese Wahl nicht bereut. Mit ein Grund dafür ist, dass die heutige Alltagsmode und auch die für das Büro sehr locker geworden ist. Anzüge werden sehr selten getragen und so hat auch der Oxford-Schuh immer weniger für ihn typische Anwendungsfälle, der Derby dafür umso mehr.





