Die durchgenähte Machart (Blake- und Blake-Rapid)
Die durchgenähte Machart bei Schuhen ist eine sehr weit verbreitete Technik, um Schuhe herzustellen, die zuverlässiger halten als rein geklebte Schuhe. Kleber wird bei durchgenähten Schuhen lediglich unterstützend eingesetzt. Ausserdem gibt es verschiedene Varianten dieser Machart, die ich dir hier vorstelle.
Einleitung
Die durchgenähte Machart wird in ihrer einfacheren Ausführung auch Blake-Machart und in ihren beiden komplexeren Ausführungen Blake-Rapid genannt. Die Namen beziehen sich auf die Erfinder der zugehörigen Maschinen, mit denen solche Macharten industriell angewandt werden können. Heute dominiert diese industriell Fertigung von Schuhen auch bei durchgenähten Schuhen. Du kannst als Schuhmacher durchgenähte Schuhe auch per Hand ohne diese spezialisierten Maschinen herstellen. Wenn du dies gut machst, dann kannst du die Maschinen in der Flexibilität der Schuhe überbieten. Ob mit oder ohne Maschinen - in beiden Fällen kannst für solche Schuhe den Ausdruck “durchgenäht” oder “Blake” oder in einer der komplexeren Umsetzungen “Blake-Rapid” verwenden.
Blake-Machart
Bei dieser einfachsten durchgenähten Machart werden das Oberleder, die Brandsohle und die Laufsohle miteinander vernäht. Dies geschieht mit der sogenannten Blake-Naht, die man sehr oft im Inneren des Schuhs sehen kann, wenn keine Decksohle auf der Brandsohle im Weg ist. Bei der Blake-Machart wird also die Brandsohle für das Anbringen der Naht durchgestochen, bevor die Naht da durchgeführt wird. Daher kommt auch der Ausdruck “durchgenäht”.
Unten auf der Laufsohle kannst du diese Naht auch oft sehen, wenn zum Beispiel keine ganze Schutzsohle aus Gummi drüber geklebt wird oder wenn diese Naht nicht ins Sohlenleder versenkt wird. Heraus kommt ein überaus leichter Schuh mit einer oft ziemlich dünnen Sohle. Somit hast du dadurch ein sehr gutes Geherlebnis, allerdings auf Kosten der Wiederbesohlbarkeit. Das Wiederbesohlen ist zwar möglich, allerdings nicht ganz so einfach wie bei den anderen Macharten: Dabei wird letztlich die Laufsohle, die mit der Brandsohle und mit dem Oberleder vernäht ist, ausgetauscht und das Ganze wird nochmal durchgenäht. Eine Gefahr dabei ist, dass die Brandsohle mit der Zeit zu viele Löcher bekommt, wenn du beim erneuten Durchnähen nicht die alten Löcher triffst. Oft ist es einfacher, wenn du auf die abgelaufene Laufsohle eine weitere, dünne Laufsohle draufkleben lässt. Das ist allerdings nur ein recht halbherziges Wiederbesohlen, welches normalerweise nicht besonders lange hält. Zusätzlich bist du hierbei darauf angewiesen, dass der Kleber zuverlässig hält.
Maschinelle Herstellung
Für das Nähen der Blake-Naht gibt es eine entsprechende Maschine, die die Arbeit vereinfacht. Allerdings ist der Schuh dann weniger biegsam als wenn der Schuhmacher die Blake-Naht mit viel Spannung per Hand macht. Trotzdem überwiegt die maschinelle Herstellung bei Schuhen in der Blake-Machart wie auch bei anderen Macharten - einfach weil die Herstellung mit Hilfe der Maschinen viel schneller ist. Mit der Maschine dürfte das entscheidende Durchnähen etwa eine Minute dauern und die Arbeit per Hand würde ich auf ein Paar Stunden schätzen. Und auch diese Maschinenvariante von durchgenähten Schuhen würde ich den rein geklebten Schuhen weit vorziehen, weil eine Naht viel länger und zuverlässiger hält als der Kleber.
Blake-Naht und Wasserfestigkeit
Wenn die Blake-Naht auf der Laufsohle sichtbar und damit frei zugänglich ist, dann kann theoretisch Wasser über die Nahtöffnungen leichter ins Schuhinnere eindringen. Allerdings würde man solche Schuhe in der Blake-Machart sowieso eher als Sommerschuhe verwenden und es müsste schon einigermaßen stark regnen, dass die Füße nass werden. Durch Pfützen würdest du dann in solchen Schuhen sowieso nicht laufen wollen und es werden sowieso alle Lederschuhe bei zu viel Regen innen nass - einfach weil Leder das Wasser aufsaugt. Du kannst diesen Vorgang zum Beispiel durch Imprägniersprays oder Wachs abmildern, aber nicht grundlegend den Sachverhalt ändern. Und besonders wenn deine Sohle dünn ist, werden die Schuhe und die Füße sowieso nass - egal ob mit oder ohne Löcher in der Sohle.
Übrigens kann bei Blake-Schuhen durch das Abtragen der Ledersohle das Sohlenleder sich auf der Sohle neu verteilen und sogar die Löcher von den Nähten zustopfen. Diesen Effekt kannst du besonders dann bekommen, wenn du Lederfett auf die entsprechenden Stellen aufträgst und wirken lässt. Das Lederfett aber bitte nicht für das Oberleder deiner allermeisten Lederschuhe nehmen. Jedenfalls kannst du durch diesen Effekt deine eventuellen Sorgen wegen der Löcher zusätzlich abmildern.
Erkennungszeichen von Schuhen in der Blake-Machart
Grob gesprochen kannst du an folgenden Kriterien erkennen, ob dein Schuh in der Blake-Machart hergestellt ist:
- Eine Naht ist innen drin im Schuh zu sehen - wegen der Decksohle meist im vorderen Bereich des Schuhs.
- Auf der Fläche der Laufsohle ist ein Kanal zu sehen, in dem dieselbe Naht wie oben auf dieser äußeren Seite des Schuhs verläuft.
- Die Sohle ist relativ dünn und umfasst nur eine Schicht.
- Auf der Oberseite der Laufsohle, die vom Schuhschaft etwas absteht und welche in anderen Macharten der Rahmen ist, ist keine Naht zu sehen.
Hier muss ich betonen, dass diese Kriterien gute Anhaltspunkte für eine Beurteilung sind. Jedoch sind sie nicht direkt notwendig. Denn wenn zum Beispiel deine Decksohle die ganze Brandsohle im Inneren des Schuhs überdeckt, dann wirst du dort auch keine Blake-Naht finden. Oder du kannst auch Schuhe in der Blake-Machart haben, bei denen die abstehende Oberseite der Sohle eine Pseudo-Naht rein zu Dekorationszwecken besitzt. Da ist also nichts genäht, aber eine rein dekorative Naht ist dort angebracht. Die Machart bleibt aber trotzdem Blake, da hier eine komplexere Machart nur suggeriert wird.
Als letztes Gegenbeispiel nenne ich Schuhe in der Blake-Machart, die keine dünne Gummisohle besitzen und trotzdem keine sichtbare Naht unten auf der Fläche der Laufsohle haben. Das kann daher kommen, dass die Blake-Naht im Leder der Laufsohle versteckt ist und erst mit der Zeit des Tragens sichtbar wird, wenn mehr Sohlenleder abgetragen wird. Dafür gibt es Techniken, das Sohlenleder aufzuschneiden und wieder zuzumachen, nachdem die Blake-Naht angebracht worden ist.
Insgesamt solltest du die obigen Kriterien also nicht zu absolut nehmen. Doch das Zutreffen von zwei bis drei Kriterien ist schon mal ein starkes Indiz, dass die Schuhe in der Blake-Machart, also durchgenäht, sind.
Blake-Rapid-Machart
Die Blake-Rapid-Machart ist eine Abwandlung und Erweiterung der Blake-Machart, um eine bessere Wiederbesohlbarkeit zu erreichen. Doch der Kern bleibt gleich und insbesondere wird die Brandsohle weiterhin durchgenäht, so dass du die kennzeichnenden Löcher mit der dort verlaufenden Blake-Naht im Inneren des Schuhs hast. Diese kannst du auch weiterhin im Inneren des Schuhs beobachten solange dort keine vollständig abdeckende Decksohle im Weg ist.
Was sich aber ändert: An Brandsohle und Schuhschaft wird nicht die Laufsohle genäht, sondern ein Zwischenteil. Für dieses Zwischenteil gibt es zwei Varianten:
- Zwischensohle aus Leder
- Lederrahmen, also ein Lederriemen
Erst danach wird in beiden Varianten die Laufsohle angebracht.
Wir haben also in beiden Varianten von Blake-Rapid eine Zwischenschicht, die sich jeweils zwischen Brandsohle und Laufsohle befindet. Und diese Zwischenschicht sorgt dafür, dass du die Schuhe besser wiederbesohlen kannst. Denn die Blake-Naht verläuft bis einschließlich zur Zwischenschicht und befindet sich somit gut geschützt hinter der Laufsohle. Die Blake-Naht wird hier also im Normalfall nicht abgenutzt. Die einzige Naht, die abgenutzt werden kann, ist die Sohlennaht, die in diesem Zusammenhang auch Rapid-Naht genannt wird. Sie verbindet die Zwischenschicht mit der Laufsohle und wird bei einer Reparatur ausgewechselt. Letztlich ist die Zwischenschicht in dieser Variante etwas Besonderes, weil durch sie beide Nähte verlaufen: Die Blake-Naht und die Rapid-Naht.
Begriffe und Bezeichnungen
Übrigens können Schuhe in dieser komplexeren Machart ebenfalls als durchgenäht oder von der Machart Blake bezeichnet werden, auch wenn streng genommen Blake-Rapid gemeint ist. Denn der Kern ist der gleiche, nämlich dass die Brandsohle durchgenäht wird, um sie mit dem Schuhschaft und einem dritten Teil zu verbinden. Und dieser dritte Teil ist also entweder
- die Laufsohle (Blake-Machart)
- ein Rahmen (Blake-Rapid mit Rahmen)
- oder eine Zwischensohle (Blake-Rapid mit Zwischensohle).
Das ist eigentlich der Kern dessen, was eine Machart ausmacht. Das Anbringen der Laufsohle ist zwar auch wichtig, aber für die Machart zweitrangig.
Blake-Rapid mit Zwischensohle
Das ist die Blake-Machart mit dem Zusatz, dass eine zusätzliche Sohle zwischen Brand- und Laufsohle existiert und anstelle der Laufsohle mit dem Schuhschaft und der Brandsohle vernäht wird. Diese zusätzliche Sohle ist die sogenannte Zwischensohle. Im Grunde genommen ist ein Blake-Rapid-Schuh ohne Laufsohle schon ein Blake-Schuh. Oder anders formuliert: Blake-Rapid besteht aus der Blake-Machart plus zusätzlicher Laufsohle, die unten drauf genäht wird.
Mehr im Detail: Für Blake-Rapid führt der Schuhmacher also die Blake-Machart in der grundlegenden Ausführung durch, allerdings ohne den Absatz, den hinteren Teil des Schuhs. Nun wird die Laufsohle in der Blake-Machart als Zwischensohle für Blake-Rapid betrachtet und es wird die eigentliche Laufsohle an diese Zwischensohle dran genäht. Die Zwischensohle steht etwas über dem Schuhschaft über und hat da entsprechend Platz für eine weitere Naht, die die Zwischensohle und die Laufsohle miteinander verbindet. Diese weitere Naht ist die Rapid-Naht und wird allgemeiner auch als Sohlennaht bezeichnet. Manche verwechseln solche Schuhe mit sogenannten rahmengenähten Schuhe, indem sie diese Sohlennaht automatisch mit rahmengenäht in Verbindung bringen.
Nachdem die Laufsohle drangenäht worden ist, kommt der Absatz dran und so ist der Schuh in der Blake-Rapid-Ausführung mit Zwischensohle im Grunde genommen fertig.
Blake-Variante mit geklebter Laufsohle
Übrigens führen manche Hersteller das Anbringen der Laufsohle an die Zwischensohle mit der Rapid-Naht nicht aus, sondern kleben die Laufsohle auf die Zwischensohle einfach drauf. Oft gibt es dafür ganze vorgefertigte Teile, die aus Laufsohle und Absatz bestehen und die an die ganze Zwischensohle einfach drauf geklebt werden können. Das Wiederbesohlen ist dabei denkbar einfach: Die Laufsohlenteile mit einer Zange rausziehen und neue drankleben.
In meinen Augen ist das eine valide und günstigere Variante, kann aber eine steifere Laufsohle zur Folge haben und es gibt eine gewisse Gefahr, dass sich die Laufsohle schneller löst als mit genähter Laufsohle. Blake-Rapid kann man diese Blake-Variante mit geklebter Laufsohle dann aber nicht nennen, da die Rapid-Naht fehlt. Für mich ist das dann ein Schuh in der Blake-Machart mit geklebter Laufsohle.
Blake-Rapid mit Rahmen
Die Blake-Rapid-Machart mit Rahmen funktioniert so, dass im ersten Schritt die Blake-Machart angewandt wird - mit nur einem Unterschied: An Stelle der Laufsohle wird unten ein Rahmen, also ein Lederriemen, drangenäht und so mit Schuhschaft und Brandsohle verbunden. Das heißt, die Brandsohle wird wieder durchstochen und mit Hilfe der Blake-Naht wird sie mit Schuhschaft und dem Rahmen verbunden.
Der entstehende Hohlraum zwischen der Brandsohle und dem Rahmen wird mit Abfallleder oder einer dünnen Korkschicht aufgefüllt, bevor dann im zweiten Schritt die Laufsohle an den Rahmen drangenäht wird. Und auch hier wird die Sohlennaht, mit der dies geschieht, Rapid-Naht genannt.
Vergleich mit der rahmengenähten Machart
Damit ist die Blake-Rapid-Machart mit Rahmen sehr ähnlich zur sogenannten rahmengenähten Machart. In beiden Varianten wird der Rahmen von zwei Nähten durchzogen und es gibt im Grunde genommen die gleiche sogenannte Ausballung (meist Korkschicht) zwischen Brand- und Laufsohle.
Der einzige Unterschied besteht darin, dass bei Blake-Rapid mit Rahmen die Brandsohle durchgenäht, also richtig durchbohrt wird. Bei der rahmengenähten Machart bekommt die Brandsohle allerdings keine Löcher verpasst. Da wird aber ein sogenannter Einstechdamm auf der Unterseite der Brandsohle geschliffen und dieser Einstechdamm trägt dann die sogenannte Einstechnaht. Diese Einstechnaht verbindet ähnlich wie die Blake-Naht die Brandsohle, den Schuhschaft und den Rahmen miteinander.
Varianten
Schwarze Pekari-Loafers
Hier sind ein Paar sommerlicher Loafer in der nicht so sommerlichen Farbe Schwarz. Das ist ein besonderer Anwendungsfall der einfachen Blake-Machart, dessen Blake-Naht du im Schuhinneren erkennen kannst. Allerdings kannst du hier auf der Laufsohle nichts sehen, weil die Blake-Naht dort im Leder drin versteckt ist und zusätzlich ist eine flache, überdeckende Gummisohle angebracht.
Hier bei diesem Schuh hast du einen Vorteil von der einzigen, flachen Schicht Laufsohle (die dünne Gummisohle habe ich als zu vernachlässigen rausgenommen): Die Schuhe sind besonders leicht und leicht biegsam, so dass sie die Gehbewegung besonders unterstützen. Wenn du mal Probleme mit zu steifen Lederschuhen hattest, dann sind solche leichten Loafer mit dünner Laufsohle ideal zum Ausprobieren, ob es für dich nicht auch besser geht.
Dunkelbraune Jodphur-Boots in einfacher, durchgenähter Machart
Da die Blake-Machart eher für besonders leichte Sommerschuhe verwendet wird, ist sie ungewöhnlich für Stiefel, die ja meistens Saisonschuhe für die kälteren Jahreszeiten sind. Dieses Paar Jodphur-Boots hier würde ich eher im Frühling oder Herbst in der Stadt tragen, da die glatte Ledersohle nicht für richtig schlechtes Wetter hin ausgelegt ist. Das hier sind ein Paar richtig bequemer, stilvoller Stiefel zum Ausgehen in der Stadt. Aber zum Beispiel Wanderungen in der Natur würde ich mit ihnen nicht unternehmen. Dazu sind sie mir zu fein.
Graue Tassel-Loafer aus Nubukleder und in Blake-Rapid-Machart
Das hier sind ein Paar hübscher, durchgenähter Sommerschuhe, die zu einer Leinenhose in Weiß oder Beige ganz gut passen würden. Die dickere Sohle und die Naht auf dem Rahmen oder der Zwischensohle legen nahe, dass es sich hierbei um Schuhe in der Blake-Rapid-Machart handelt. - Ob mit Rahmen oder Zwischensohle lässt sich von außen nicht sagen. Die Gewissheit, dass dies durchgenähte Schuhe sind hatte ich beim Blick ins Schuhinnere bekommen, nachdem ich die ganze Einlege-Decksohle entfernt hatte: Die Brandsohle war um 360° mit der Blake-Naht durchzogen.




