Nahtlos-Variante - ein Detail im Fersenbereich für mehr Eleganz
Die Nahtlos-Variante definiert sich über den hinteren Teil an der Ferse. Wenn das Oberleder dort ohne irgendeine vertikale Naht verläuft, dann sind wir in dieser eleganteren Variante. Dieses Detail sieht auf dem ersten Blick banal aus, aber es steckt tatsächlich mehr dahinter.
Beispielvariante
Chukka-Boots in Cognac-farbenem Glattleder
Dies hier ist ein Paar puristischer Chukka-Boots in hellbraunem Glattleder vom Kalb. In der Betrachtung von hinten kannst du erkennen, dass die Stiefeletten keine vertikale Fersennaht haben. Sie haben lediglich eine horizontale Naht zur Verzierung, die sich weiter oben befindet und um die Schuhöffnung herum verläuft.
In meinen Augen trägt die fehlende Fersennaht hier dazu bei, dass das Oberleder etwas besser zur Geltung kommt. Die Stiefeletten sind dadurch etwas eleganter als mit Fersennaht und du kannst sie zum Beispiel ganz gut zu gemischten Sakko-Hose-Kombinationen in der Freizeit tragen. Lediglich bei der Farbe solltest du aufpassen, dass du wenn möglich eine Hose in einer helleren Farbe als Cognac wählst. Durch dieses klare Cognac passen die Stiefelette ganz gut zu farbenfrohen Outfits in meinen Augen.
Besonderheiten
Die Nahtlos-Variante eines Schuhmodells bedeutet, dass ein solcher Schuh gar keine vertikale Fersennaht hat und auch keine Hinterkappe zum Überdecken. Der hintere Bereich an der Ferse besteht somit einfach aus dem Oberleder mit höchstens minimalen Verzierungen.
Dies hat zur Folge, dass du bei der Herstellung für diesen Bereich des Oberleders ein größeres Stück Lederhaut anstelle von zwei kleineren Stücken benötigst. Und so etwas ist viel umständlicher umzusetzen als es auf den ersten Blick erscheint, denn du musst dafür ein etwa doppelt so langes Lederstück aus der Lederhaut schneiden. Zwar ist das nur ein einziges, längeres Stück anstelle von zwei kleineren. Doch selbst wenn deine Lederhaut genug Fläche hat, kann es sein, dass sie von der Länge her nicht mehr ausreicht. Außerdem must du eventuell Stiche und Kratzer auf der Lederhaut umgehen, die das Herausschneiden nochmal komplizierter machen.
Somit hast du im Allgemeinen mehr Aufwand und Schwierigkeiten, ein viel längeres Stück aus der Lederhaut herauszuschneiden, obwohl sich beide Varianten rein flächenmäßig nicht so sehr unterscheiden. Im schlimmsten Fall musst du als Schuhmacher eine ganz neue Lederhaut bestellen, wenn deine schon angefangene Lederhaut nicht mehr reicht, auch wenn die reine Fläche an sich mehr als ausreichend ist.
Hintergrund der Fersennaht
Die vertikale Fersennaht ist sehr verbreitet und hält zwei Lederteile vom Oberleder, die sogenannten Quartiere, hinten zusammen. Du hast dadurch für jede Seite ein kleines Quartier, welches du ganz bequem aus der Lederhaut herausschneiden kannst. Es ist also ein recht kostengünstiger Weg für diesen Teil des Oberleders.
Nachteile einer Fersennaht
Wie du anhand des Bilds von oben sehen kannst, können Kratzer im hinteren Bereich entstehen. Die Fersennaht ist darüber hinaus relativ anfällig, da sie zwei auseinandergehende Schaftteile zusammenhält. Sie ist entsprechend unter Spannung und kann dadurch ziemlich straff sein. Bei Kontakt mit einem spitzen Gegenstand ist deshalb eine gewisse Gefahr da, dass sie sich löst.
Auch wenn diese Gefahr einer herausgelösten Fersennaht in meinen Augen nicht so hoch ist, ist sie trotzdem ein funktionales Argument für folgende zwei Lösungen:
- Nutzung einer Hinterkappe, um die Fersennaht zu schützen
- Nahtlos-Variante an der Ferse, was das Thema dieses Beitrags ist
Mein persönliches Fazit
In meinen Augen ist der funktionale Grund für die Nahtlos-Variante recht zweitrangig. Ich denke, dass die Nahtlos-Variante in erster Linie wegen des Stils und der Exklusivität gewählt wird. Denn sie bedeutet zusätzlichen Aufwand, mit dem nur die wenigsten Schuhe sozusagen geadelt werden.
Ich denke, du solltest die Nahtlos-Variante eher als künstlerisches Mittel bei Schuhen sehen, einen Schuh eleganter und puristischer zu gestalten. Für reine Freizeitschuhe ist sie wahrscheinlich nicht besonders sinnvoll. Vor allem bei geprägtem Oberleder wirst du da nicht so viel Unterschied sehen, wenn du keine Kontrastnähte hast.
Aber wenn du zum Beispiel einen eleganten Wholecut-Oxford in ungeprägtem Glattleder vom Kalb haben möchtest, dann ist die Nahtlos-Variante eine sehr gute Möglichkeit, den Schuh nochmals eleganter und puristischer zu machen. In diesem Fall passt die Variante besonders gut und unterstützt den ohnehin schon eleganten Charakter des Wholecut-Oxfords.
