Kappen-Varianten

Kappen sind Lederteile, die vorne an der Fußspitze oder ganz hinten an der Ferse auf dem Oberleder angebracht werden. Entsprechend haben sie die folgenden Namen:

  • Vorderkappe (in der einfachsten Ausführung)
  • Fersen- oder Hinterkappe

Der Sinn ist zum einen das Verstärken des Leders an den entsprechenden Stellen. Durch das Benutzen einer Kappe kannst du dir oft die Verstärkung zwischen Oberleder und Innenfutter sparen, die für gewöhnlich ganz vorne und ganz hinten am Schuh angebracht werden.

Zum anderen sind Kappen mit ihren Kanten und Rändern, an denen Nähte oder Lochmuster verlaufen, zusätzliche Dekorationselemente. Und damit können sie bei vielen Schuhmodellen zusätzlich genutzt werden, um den Schuh etwas aufzulockern. Beispielsweise werden sogenannte Quarter-Brogues hauptsächlich über Lochmuster auf der Vorderkappe definiert.

Bei der Vorderkappe gibt es auch noch weitere Varianten:

  • einfache oder mehrfache Nähte als Dekoration für die Ränder
  • sogenannte Flügelkappen, die mehr Lederfläche abdecken
  • erweiterte Flügelkappen, die an den Seiten außen herum verlaufen, typisch für sogenannte Longwings

Flügelkappen

Dei Flügelkappe geht nicht einfach nur in einer einfachen Linie um den Schuh herum, sondern ist komplexer und bildet von der Linienführung her einen Vogel mit ausgefahrenen Flügeln ab. Oft sind solche Schuhe mit Flügelkappe mit Lochmustern versehen, so dass die Flügelkappe an sich nicht so stark zur Geltung kommt. Dies ist zum Beispiel bei einem sogenannten Full-Brogue-Schuh der Fall. Und dann gibt es andere, viel seltenere Varianten, die auf Lochmuster ganz oder zum großen Teil verzichten. Bei diesen kommt dann die Flügelkappe besser zur Geltung wie zum Beispiel beim sogenannten Austerity-Brogue. Solche und andere Beispiele zur Flügelkappe kannst du hier sehen:

Longwings

Meist ist mit einem Longwing im Kern ein Full-Brogue-Schuh gemeint, dessen Flügelkappe um den ganzen Schuh herum geht - also eine noch verziertere Broguing-Variante als es der Full-Brogue schon ist. Doch so eine verlängerte Flügelkappe muss nicht auf Brogues beschrängt sein, sondern kann in anderen Varianten für sehr elegante Schuhe sorgen.

Stell dir zum Beispiel einen Longwing-Oxford vor: Also ein Wholecut-Oxford mit einer verlängerten Flügelkappe. Das Fehlen an Lochmustern macht den Schuh puristischer und die verlängerte Flügelkappe wird dadurch sehr stark betont - einfach weil es sonst in den Details keine Konkurrenten gibt, die um die Aufmerksamkeit mitkämpfen. Besonders wenn du auch klares, ungeprägtes Glattleder vom Kalb als Oberleder hast, verstärkt das diesen Effekt ungemein.

Ich finde so etwas aus künstlerischem Empfinden heraus sehr attraktiv, jedoch sind solche Schuhe auch sehr selten. Vom Stil her geht hier der sogenannte Austerity-Brogue in dieselbe Richtung. Wenn dich die Austerity-Brogue-Variante interessiert, dann kannst du mehr im folgenden Link erfahren.

Varianten mit besonderer Schnürung

Ghillie-Schuhe

Ghillie-Schuhe sind etwas exotisch aussehende Schuhe, die auf besondere Weise mit der Schnürung spielen:

  • sie haben keine sogenannte Zunge, die Abdeckung aus Leder, die sich unterhalb der Schnürung befindet
  • die Löcher für die Schnürung sind besonders herausgestellt

Ghillie-Schuhe kommen ursprünglich aus Schottland und wurden entsprechend den dortigen nassen Gegebenheiten entwickelt: Der reduzierte Bereich der Schnürung hat den Vorteil, dass der Schuh besser trocknen kann. Damit war die ursprünglich Motivation für dieses Modell keine dekorative, sondern eine rein funktionale, ähnlich wie bei den Brogues. Es gibt sogar ein kombiniertes Modell, den sogenannten Ghillie-Brogue, der einfach ein Ghillie mit Lochmustern ist. Hier sind die Lochmuster allerdings rein dekorativer Art. Wenn du mehr zu Lochmustern erfahren möchtest, dann gerne hier:

Schuhvarianten, die mit Farben spielen

Spectator-Schuhe

Spectator-Schuhe oder kurz Spectators haben ein zweifarbiges Oberleder. Dadurch, dass die Farben meist in Kontrast zueinander stehen, stechen Spectators vom Aussehen her besonders hervor. Sie eignen sich ganz gut als Freizeitschuhe, sollten aber in sehr seriösem Kontext vermieden werden, besonders wenn sie Kontrastfarben nutzen. Oft wird unter Spectators eine spezielle Variante verstanden: Ein zweifarbiger Oxford mit Lochmustern im Full-Brogue-Stil. Ich gebrauche den Begriff jedoch allgemeiner für allerlei zweifarbige Schuhe, was auch recht typisch ist.

Sattelschuhe

Sattelschuhe sind spezielle Spectator-Oxfords, bei denen im mittleren Bereich des Schuhs, im Bereich der Schnürung oben bis hin kurz vor der Sohle unten, ein größerer Lederstreifen angebracht ist. Dieser Lederstreifen hat etwa die Form eines Sattels und daher kommt auch der Name. Der Lederstreifen ist typischerweise in einer ganz anderen Farbe gehalten als das restliche Oberleder. Je höher der Kontrast der Farben ist, desto auffälliger ist auch dieser Sattel.

Sattelschuhe sind in den USA in der Mitte des 20. Jahrhunderts aufgekommen und sind an sich reine Freizeitschuhe. So wird in einigen Varianten der Lederstreifen, der den Sattel darstellt, außen rum mit der sogenannten Lyralochung verziert.

Varianten mit Reduzierung von Nähten

Nahtlos-Variante ohne Fersennaht

Viele Schuhe haben hinten eine Fersennaht, durch die zwei seitlichen Schaftteile - die Quartiere - miteinander vernäht werden. Meist ist das die kostengünstigste Variante, die vom Schaftschnitt her auch am geschicktesten ist. Wenn der Schuhmacher allerdings keine Kosten und Mühen scheut und vom Schaftschnitt her grosszügig denkt, dann kann er eine alternative Nahtlos-Variante wählen: Anstelle der zwei getrennten Quartiere schneidet er ein einziges Stück Lederfläche aus der Lederhaut heraus, die die gleiche Fläche abdeckt wie die zwei Quartiere insgesamt. Dadurch müssen keine zwei Teile mit der Fersennaht hinten verbunden werden und der Fersenbereich sieht dadurch sauberer aus.

Ich denke, dieses Detail hat durch diesen zusätzlichen, eigentlich unnötigen Aufwand fast schon elitären Charakter: Vermutlich macht das den Hauptreiz für die meisten Besitzer solcher Schuhe aus.

Jedoch denke ich auch, dass du diese Variante aus folgendem Grund im Hinterkopf behalten solltest: Für den Fall, dass du mal einen möglichst puristischen Schuh mit wenig Verzierung suchst, ist diese Nahtlos-Variante besonders praktisch. Vor allem in Kombination mit sogenannten Wholecut-Schuhen macht sie sich ganz gut und erfüllt damit einen ganz konkreten stilistischen Zweck: Nämlich den der einfachen Eleganz.

Wholecut

Wholecut-Schuhe sind verglichen zu ihrem Basismodell einfacher und puristischer, da das Oberleder aus einem einzigen Lederstück besteht. Dadurch fehlen bei ihnen viele Nähte und sie entfalten so einen nochmal seriöseren und förmlicheren Eindruck. Zugleich ist der Wholecut eine Variante, bei der das Oberleder besonders schön zur Geltung kommt und das kann zum Beispiel bei Patina-Leder sehr viel Sinn machen.

Varianten mit zusätzlichen oder besonderen Nähte

Schuhe mit Kontrastnähten

Kontrastnähte sind ein auffallendes Detail, das eher in legeren Schuhen für die Freizeit auftaucht. Das sind Nähte, die in Kontrastfarbe zu ihrer direkten Umgebung gehalten sind. Dadurch stechen sie besonders hervor und zu ihrem eigentlichen funktionalen Charakter, die verschiedenen Lederteile zusammenzuhalten, kommt so ein dekorativer Aspekt dazu: Verschönerung der Schuhe, um das es dabei letztlich geht. Auch bei Kleidung und anderen Ledersachen werden Kontrastnähte gerne benutzt, um Teile aufzulockern oder einfach interessanter zu gestalten.

Ziernaht-Varianten

Ziernähte sind meist besonders dicke, auffällige Nähte, die auf interessante Weise miteinander verflochten werden. Am bekanntesten ist wahrscheinlich die sogenannte Norwegische Naht, bei der sich zwei Nähte nach jedem Stich miteinander kreuzen. Es gibt allerdings noch andere Varianten. Solche Ziernähte kommen oft im Bereich des Rahmens oder der Zwischensohle vor und manchmal auch auf dem Oberleder.

Schuhe im Boho-Stil

Boho-Schuhe ist mein eigener Begriff für besonders verzierte Schuhe. Oft haben sie

  • einen auffälligen Rahmen
  • auffällige Schnürsenkel
  • auffällige Ziernähte oder Kontrastnähte auf dem Oberleder Es sind also lockere Freizeitschuhe, aber bewusst nicht dezent sondern dekorativ gehalten. Dadurch werden sie nochmal lockerer und verspielter als zum Beispiel die typischen braunen oder schwarzen Derbies mit Vorderkappe. Wenn du allerdings Boho-Schuhe zu ernsten formalen oder geschäftlichen Anlässen trägst, dann zeigst du damit, dass du deinen Gegenüber oder den Anlass nicht richtig ernst nimmst.