Stiefel - traditionelle Schuhe mit viel Lederfläche
Früher waren Stiefel die eigentlichen Schuhe. Dadurch, dass sie mehr vom Bein und Fuss abdecken als Halbschuhe, sind sie in Sachen Form und Ledermenge besonders interessant. Auf diese Weise bekommst du durch Stiefel ein Maximum an Schuh.
Beispielvariante
Stiefel mit offener Schnürung im Nicht-Derby-Schnitt
Das hier sind typische braune Stiefel, die ganz gut im Herbst und Winter getragen werden können. Durch das glatte, ungeprägte Leder sehen sie schicker aus, aber wegen des Brauns sind sie doch eher nicht für gehobene Anlässe geeignet. Oben haben diese Stiefel hier eine zusätzliche Polsterung und reichen höher als manche andere Stiefel. Damit haben sie eine bessere Schutzfunktion und können etwas zusätzliche Wärme für den Fuß- und Beinbereich liefern.
Von der Einordnung her fallen sie trotz der offenen Schnürung nicht in die Kategorie der sogenannten Derby-Boots hinein. Dafür fehlt ihnen der Derby-Bogen an der Seite. Der sogenannte Schaftschnitt ist hier anders und erinnert etwas an sogenannte Balmoral-Boots, die jedoch vorne eine geschlossene Schnürung haben.
Geschichtliches
Übergang von Reitstiefeln zu niedrigeren Stiefeln
Vor einiger Zeit haben in weiten Teilen Europas im Alltag hohe Stiefel dominiert, die wir heutzutage eher als Reitstiefel kennen. Früher waren die Wege viel seltener asphaltiert als heute und so waren hohe Stiefel die normalen, üblicherweise getragenen Schuhe, um Beine und Hosen vor Staub und Schlamm zu schützen. Dann wurden diese hohen Stiefel durch niedrigere Stiefel hinsichtlich ihrer Popularität verdrängt: Chelsea-Boots, Balmoral-Boots und Knopfstiefel, von denen die Chelsea-Boots heute die bekanntesten sind. Die hohen Stiefel gab es weiterhin, aber sie wurden immer seltener und die niedrigeren Stiefel wurden immer häufiger getragen. Dieser Prozess vollzog sich über mehrere Jahrzehnte, angefangen im 19. Jahrhundert in Großbritannien.
Dieser Schwenk fand auch speziell im englischen Militär statt: Mit der Einführung der sogenannten Jodphur-Hose, die in Indien erfunden wurde, waren beim Reiten hohe Stiefel nicht mehr so wichtig wie noch zuvor. Und so konnten nach und nach niedrigere Stiefel die höheren Reitstiefel ablösen. Dabei wurden auch die sogenannten Jodphur-Boots erfunden, ein Paar ausgefallener Schnallen-Stiefeletten. In Kombination mit den Jodphur Hosen war jetzt auch einfach weniger Leder als früher notwendig, um die Soldaten auszurüsten. Leichter anzuziehen waren diese Stiefeletten auch - verglichen mit den hohen Reitstiefeln. Und so wurden im britischen Militär klassische, hohe Reitstiefel mit der Zeit immer mehr durch knöchelhohe Stiefel, durch Stiefeletten, verdrängt. Im zweiten Weltkrieg in Afrika waren britische Militärs bekannt dafür, sogenannte Chukka-Boots zu tragen, welche ebenfalls knöchelhohe Stiefel sind. Das bedeutet nicht, dass im Militär nun gar keine Stiefel getragen werden, aber eben nicht ganz so oft wie noch zu Beginn des 19. Jahrhunderts.
Entwicklung der offenen Schnürung
Und wo wir beim Komfort von Stiefeln und beim Militär sind: Der sogenannte Blücher-Schuh, der eine sehr große Ähnlichkeit zum Derby hat, war im Ursprung ein Halbstiefel. Der Erzählung nach hat der preußische General Blücher seine Soldaten damit ausrüsten lassen. Verglichen zum Reitstiefel und zum Balmoral Boot war die Passform wegen seiner offenen Schnürung besser und das An- und Ausziehen ging auch schneller, wodurch die Truppen schneller einsatzbereit waren.
Die bessere Passform hat damit damit zu tun, dass der Rist, die Oberseite des Fußes, von Mensch zu Mensch ganz unterschiedlich geformt ist. Die geschlossene Schnürung ist in diesem Bereich recht steif und bietet wenig Freiraum. Die offene Schnürung dagegen ist viel beweglicher und kann sich damit einer Vielzahl von Formen besser anpassen. Das ist auch der Grund, warum Schuhe mit einer offenen Schnürung oftmals als angenehmer empfunden werden. Bei gut gemachten Maßschuhen wird auch eine geschlossene Schnürung sehr angenehm sein. Allerdings sind die allermeisten Schuhe, die in Verwendung sind, nun mal keine Maßschuhe.
Besonderheiten
Stiefel sind im Kern saisonale Schuhe, die du gut im Frühjahr, Herbst und Winter tragen kannst. In den Sommer passen sie stilistisch nicht ganz so gut rein, können aber an manchen Tagen mit den richtigen Eigenschaften auch funktionieren. Der Hauptzweck eines Stiefels verglichen zum Halbschuh ist es, die Füße und die Beine vor Schmutz, Schlamm und Nässe zu schützen.
Daneben gibt es noch einen anderen, nicht funktionalen Zweck: Wenn du Schuhe besonders gerne magst, dann werden Stiefel diejenigen Schuhe sein, die durch ihre Gesamtfläche am auffälligsten sind - vorausgesetzt, du überdeckst sie nicht größtenteils mit deiner Hose, sondern schlägst die Hose unten an ihren Enden um. Das ist besonders in der Denim-Szene typisch und sorgt dafür, dass deine Stiefel voll zur Geltung kommen. Als weiteren Faktor hast du durch Stiefel andere Formen, die bei Halbschuhen so nicht möglich sind. Das kann dann auch etwas interessantes sein, besonders wenn du ausschließlich Halbschuhe gewohnt warst. In dieser Hinsicht kann man also ein bisschen überspitzt sagen, dass Stiefel die idealen Schuhe für besonders große Schuhliebhaber sind. Außerdem gibt es neben dem rein funktionalen Kern der Stiefel auch Stiefel, die als “dress boots” benutzt benutzt werden - also zumeist schwarze Stiefel zum Ausgehen oder für besondere Veranstaltungen.
Abgrenzung zu Stiefeletten
Knöchelhohe Stiefel werden auch Stiefeletten genannt und sind von der Entstehungsgeschichte her moderner als die höheren Stiefel. Sie bieten mehr Leder als Halbschuhe, aber weniger als Stiefel und sind von der Form her nochmal was Neues. Durch ihre niedrige Höhe sind sie normalerweise bequemer anzuziehen als Stiefel.
Varianten
Derby-Stiefel
Das hier sind Derby-Stiefel oder auch Derby-Boots genannt. In dieser Variante hier haben sie eine verzierte Vorderkappe, die jedoch nicht dazugehören muss bei Derby-Stiefeln. Wie bei Derby-Schuhen auch erkennst du Derby-Stiefel an der offenen Schnürung und am sogenannten Derby-Bogen. Der Derby-Bogen ist die seitliche Naht, die ein seitliches Schuhteil, das Quartier, mit dem vorderen Schuhteil, dem Blatt, verbindet.
Viele ignorieren diesen Derby-Bogen und sagen zu jedem Schuh mit offener Schnürung Derby. Doch ich möchte hier wie an anderer Stelle akkurater sein. Von außen her mag das ein kleines, unbedeutendes Detail sein, doch bei der Herstellung von Schuhen hat das Modell Einfluss darauf, welche Flächen aus der Lederhaut herausgeschnitten werden müssen. - Und da sind diese Flächen für ein Derby-Modell anders als für ein sogenanntes Blücher-Modell, obwohl beide Modelle eine offene Schnürung haben. Von außen kannst du das an den unterschiedlichen Verläufen der Nähte sehen.
Im Endeffekt sind Derby-Stiefel mit die vielseitigsten und praktischsten Stiefel, die du im Frühjahr, im Herbst und im Winter tragen kannst - besonders in der Farbe Braun.
Cognac-farbene Monkey-Bootsverschiedenen
Monkey-Boots sind stark an Sneaker angelehnt und können sehr gut mit einer Jeans getragen werden. Damit sind diese Stiefeletten vor allem etwas für die Freizeit und den Alltag, aber auf keinen Fall für geschäftliche Anlässe zum Beispiel - selbst wenn sie in Schwarz wären. Du kannst hier also gleich eine richtige Farbe wählen, die weit weg von Schwarz ist und die zur Jeans passt. Ich würde dafür allgemein die Farbe Rotbraun empfehlen, die zu mehr Jeansstoffen passt als die Cognac-Farbe hier. Diese Farbe hier würde ich eher zu hellen Jeans kombinieren als zu dunklen.
Jodphur-Boots
Jodphur-Boots sind traditionelle Schnallenstiefel, deren genaue Herkunft umstritten ist. Einer Variante nach kommen sie aus dem früher britisch besetzten Indien, in der auch die namensgebende Stadt Jodphur liegt.
In meinen Augen sind sie heutzutage sehr selten anzutreffen, aber sehen mit dem drum herum verlaufenden Lederband und der Schnalle sehr exotisch und elegant aus. In dieser dunkelbraunen Farbe sind sie auch sehr vielseitig - zwar auf keinen Fall für richtig formale Anlässe geeignet, aber für lockere Anlässe definitiv ganz gut. Und wegen der dünnen Ledersohle passen sie in diesem Fall besser für die Stadt als für das Land.
Reitstiefel - das Original
Die klassischen Reitstiefel in moderner Form - damit hat die neuere Geschichte der Stiefel angefangen. Allerdings sind die originalen Reitstiefel von der Farbe her Schwarz und haben keine offene Schnürung. Die offene Schnürung wie sie auf den den Bildern oben zu sehen ist, ist in der Geschichte zwischendurch entstanden und war nicht von Anfang an da. Reitstiefel wurden auch im Militär sehr häufig getragen, bevor sie von anderen Modellen mehr und mehr verdrängt wurden.
Wo kannst du heutzutage solche Stiefel außerhalb des Reitsports tragen? - In meinen Augen zum Jagen und Wandern, auf dem Land oder auch mal in der Stadt zusammen mit einem Mantel im Herbst und Winter. In dieser hellen Variante mit der Farbe Cognac sollte auch der Rest der Kleidung eher in Braun-Tönen oder zum Beispiel Beige gehalten sein.





